Juli 1

2 Mindsets für bessere Entscheidungen beim Golfen

Entscheidungen

0  comments

"Feel free to share, obliged to quote,
and appreciated for both!"

Heute geht es um Entscheidungen beim Golfen als konkretes Beispiel für die Fähigkeit zur Mindset-Anpassung, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Was macht bei zwei weltklasse Spielern den Unterschied zwischen guter Platzierung und Masters Sieg aus? Meistens sind es nicht die technischen Fähigkeiten des Siegers, die bessere Physis oder fortschrittlichere Trainingsmethoden. ...

Underconfidence, Overconfidence oder welcher Mindset nun?

Die Spur führt stattdessen zu einer der unklarsten Verzerrung in Entscheidungsprozessen. Dem sog. Overconfidence Bias – der Selbstüberschätzung.
Der Grund für diese Unklarheit liegt darin, dass dieser Bias nicht eindeutig definiert ist und dadurch meistens falsch verwenden wird.
Confidence, also Zuversicht, ist zunächst einmal eine positiv besetzte Eigenschaft eines Menschen. So wie die Eigenschaften großzügig oder hilfsbereit. Und wie bei allen Eigenschaften, kommt diese in verschiedenen Ausprägungen daher.

Als klassisches Beispiel für diese Art der Verzerrung wird angeführt, dass sich 90% der befragten Autofahrer für bessere Autofahrer halten als der Durchschnitt. Das ist auch völlig verständlich, wenn wir uns bisher über viele Jahre unfallfrei durch den Straßenverkehr bewegt haben.
Würde die Frage lauten, wie gut wir auf einer Slackline zwischen zwei Bäumen balancieren können, so wäre das Ergebnis vermutlich, dass die Mehrheit sich schlechter einschätzt als der Durchschnitt. Einfach deshalb, weil die meisten von uns hier keine Erfahrung drin haben. Geht eine Person, die bisher niemals auf einer Slackline stand eine 100€ Wette ein, das sie beim ersten Mal ohne runterfallen 10 Meter balancieren kann, dann liegt unbegründetes Selbstvertrauen vor. Zu behaupten, dass die meisten von uns diese Art der Überheblichkeit aufweisen ist jedoch Nonsens.

Overconfidence Mindset des Golf-Pro

Was das Autofahren für den Normalbürger ist, ist für den Golf-Pro das Putten. Hier hat sich die professionelle Golf-Liga (PGA) in den USA einmal alle etwa 11.000 Puts einen Jahres angeschaut, die aus etwa 2 Meter Entfernung gespielt wurden. Die meisten Pros gingen davon aus, mindestens 70% dieser Schläge zu versenken. Die Fakten sprachen jedoch eine andere Sprache, denn nur rund 55% aller Puts wurden tatsächlich versenkt. Wie bei den eigenen Fahrfähigkeiten waren die Pros hier selbstsicherer als es die Zahlen hergaben.

Entscheidungen beim Golfen: Ein Plädoyer für mehr Confidence

Und das zu Recht. Menschen mit stark ausgeprägten Fähigkeiten in ihrem Bereich haben durch gesteigertes Selbstvertrauen mehr zu gewinnen als zu verlieren. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten darf gerne das objektive Maß um ein paar %-Punkte überschreiten. Die Chance ein prestigeträchtiges Turnier zu gewinnen ist selbst für einen Profi sehr gering. Eine hohe Dosis Selbstvertrauen erhöht seine Chancen.
Der miserable Abschlag am ersten Loch…irrelevant und ausgeblendet. Der Druck der Kameras und das hohe Preisgeld für den Gewinner… irrelevant und ausgeblendet. Diese Art des Selbstvertrauens ist nicht zu verwechseln mit Überheblichkeit.

Mindset ansteuern: Eine Kurzanleitung

Wie schafft es der Pro (und auch so mancher Anfänger) in dieses Mindset zu kommen und dort zu bleiben?
Die Antwort lautet: Durch aktive Fokussierung der eigenen Aufmerksamkeit auf den Schlag. Nicht den letzten und nicht den nächsten, sondern den aktuellen. 

Wie fühlt sich der Schläger an, wie stabil ist der eigenen Stand, wie stark nehme ich den Wind momentan wahr. Alle relevanten Sinneseindrücke strömen scharf ein, alle irrelevanten Eindrücke (Zuschauergeräusche, Kameras, Kommentatoren…) sind unscharf. In dieses Mindset zu gelangen ist reine Übungssache. Was möchte ich ein und was ausblenden ist die Frage, Fokus setzen die Handlung. Der Spieler ist angekommen, wenn er „wie von selbst“ agiert, keine Gedanken denkt und „im Flow“ ist. Mittlerweile ist diese Art der Fokssierung in der breiten Bevölkerung angekommen und erlebt unter dem Begriff Mindfulness eine Renaissance. 

Neurologisch betrachtet ist hierbei das Direct Experience Network (DEN) aktiv. Unser Autopilot, das sogenannte Default Network (DN), das zum Bewerten und Interpretieren neigt, hat Pause.

Nachdem der Schlag ausgeführt und der Ball eine neue Position am Grün eingenommen hat, weiß der Pro, dass er nun sein Mindset verändern muss.
Es geht jetzt nicht mehr darum, im Hier-und-Jetzt den besten Schlag abzuliefern, sondern es geht darum, wertfrei zu analysieren was gerade passiert ist und was das für den nächsten Schlag bedeutet.

Welche Flugkurve hat der Ball gehabt, wo ist er gelandet, welche Beschaffenheit hat der Untergrund dort, wie weit ist die Entfernung zum Ziel, welcher Höhenunterschied ist zu bewältigen, wie sind die Windverhältnisse, welcher Schläger ist der geeignetste, habe ich einen Schluck Wasser getrunken? …

Die wichtigen Entscheidungen beim Golfen trifft der Spieler vor dem (nächsten) Schlag auf Basis dieser Aspekte.

Das Mindset was hierfür benötigt wird ist ein Default Network in golfspezifischer Ausprägung, was der Pro durch jahreslanges Wiederholen und Einüben deutlich stärker ausgeprägt hat als der Hobbyspieler. Es ist der Unterschied zwischen 100 Abschlägen pro Woche und 1.000 Abschlägen pro Woche, zwischen 5 Stunden Training pro Woche und 50 Stunden. Gute Entscheidungen beim Golfen zu treffen ist letztendlich auch immer eine Frage des Trainings - nur mit dem richtigen Mindset alleine gibt es nicht viel zu gewinnen.

Wenn ein Hobbyspieler seine Entscheidungen beim Golfen verbessern möchte, übt er das Putten mit leicht erhöhtem Vertrauen in seine Fähigkeiten (leichte Overconfidence). Landet der Ball dann irgendwo neben dem Loch, spricht er die Position des Balles laut und wertfrei aus (Analyse-Mindset). Dann wiederholt er den Put von der ursprünglichen Position aus (Handlungs-Mindset) und spricht die neue Position des Balles aus, z.B. ein halber Meter rechts und vorne. Manch einer wird überrascht sein wie enorm der eigene Fortschritt mit dieser simplen Methode ist…  

Der Unterschied zwischen Gewinnen und guter Platzierung

Wichtig zu verstehen ist, dass Selbstüberschätzung und Selbsthinrichtung im Analysemodus ein Desaster sind. Die Analyse ist um so besser, je mehr diese der objektiven Realität des eigenen Spiels wertfrei ins Auge blickt. Der Golfspieler, der bei der Put-Übung die Entfernungen vom Loch schönredet, wird sein Spiel so nicht verbessern. Genauso ergeht es dem Spieler, dessen Selbstdialog zwischen „Du Idiot spielst heute als wärst du das erste Mal hier“ und „Wie schlecht war das denn gerade wieder?“ schwankt.

Eine gewisse Portion Selbstüberschätzung außerhalb des Analyse-Mindsets ist dagegen ein mentaler Segen, denn es erhöht die Chance auf Erfolg.
Die Gesamtwahrscheinlichkeit von 55% beim Putten ist dem Golf-Pro egal, sein Selbstbewusstsein geht von 100% aus.

Ein Loch beim Golfen ist nicht gerade groß, dafür immer gleich groß. Genauso wie die beiden braunen Kreise in der Ebbinghaus-Illusion (Abb. 1.) gleich groß sind. Doch was hat diese Illusion mit Entscheidungen beim Golfen zu tun?

Entscheidungen beim Golfen

Abb. 1: Ebbinghaus-Illusion 

Unser modernes Gehirn nimmt den rechten brauen Kreis in der Regel als größer wahr. Bei gleicher Spielstärke, gleicher Tagesform und gleichen Rahmenbedingungen gewinnt am Ende der Profi, dessen visualisiertes Loch größer ist.

Golf ist ein Mindset Spiel

Und ein Mindset Spiel gewinnt meist derjenige, der die eigenen Nerven am besten Griff hat. Mit nur zwei Mindsets und dem aktiven Wechsel im Laufe eines Spiels kann dies jedem von uns gelingen. Und das nicht nur mit Entscheidungen beim Golfen, sondern überall dort wo Mindset-Wechsel zu besseren Ergebnissen führen.

  • Spielt ihr, im Gegensatz zu mir, selber Golf? Falls ja, erkennt ihr die Situationen wieder?
  • Falls nein, was ist euer Sport und die dahinterliegende Mindset Anforderung?
  • Was sind weitere Situationen in denen ihr zwischen Handlungs-Mindset und Analyse-Mindset manövriert?

Schreibt mir gerne eure Anmerkungen in die Kommentare.

Übrigens: Im nächsten Artikel geht es dann um das Thema Mindset bei Investitionsentscheidungen.

Quellen

Zur Fähigkeit den
Jessica K. Witt, Sally A. Linkenauger and Dennis R. Proffitt - “Visual Illusions improve sports performance”, in Association for Psychological Science 23 (4):397-9, March 2012

Zur Verbindung zwischen Ebbinghaus Illussion und Golflöcher Visalisierung beim Putten
Jessica K. Witt, Sally A. Linkenauger and Dennis R. Proffitt - “Visual Illusions improve sports performance”, in Association for Psychological Science 23 (4):397-9, March 2012


Tags

Golf, Mindset, Overconfidence


You may also like

Wie du mit drei Mindsets erfolgreich Geld investieren kannst (Teil 1)

Die Sache mit dem Mindset beim Entscheiden

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit markiert.

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Sign up to receive a monthly update on what's new!