„Stress gehört bei uns zum Geschäfts einfach dazu, da müssen wir nichts erfassen.“
Das war die Reaktion eines Geschäftsführers, als ich ihm vorschlug, die aktuelle Stress-Resilienz in der Organisation einmal strukturiert zu erfassen.
"Und wenn wir es schaffen, die mental bedingten Fehlzeiten im Schnitt 30% zu reduzieren mit einem Assessment über nur wenige Wochen und einfachen Follow-Up Maßnahmen?" lautete meine Reaktion.
Ich fuhr fort: "Wenn bei Ihnen im Unternehmen ein Burnout einer Fachkraft 70.000€ Kosten verursacht und sie pro Jahr ca. 20 Burnout-Fälle im Unternehmen haben reden wir über Kosten in Höhe von rund 1,4 Mio Euro jährlich. 30% davon rauszunehmen wären immerhin 420.000€ pro Jahr. Über das gesundheitliche Aufblühen jedes einzelnen Menschen und das bessere Arbeitsklima in betroffenen Teams habe ich noch nicht einmal angefangen zu sprechen..."
Der Geschäftsführer zeigte auf einmal echtes Interesse:
"Was kostet mich so ein Assessment meiner gesamten Fach- und Führungskräfte bestehend aus rund 400 Personen und was ergibt das für einen Return on Invest?"
Hätte ich einen Bierdeckel gehabt, hätte ich es dort aufschreiben können:
"Bei 400 Assessments mit allen Follow-Up Aktivitäten liegen wir bei ca. 80.000€ Projektkosten. Im Verhältnis zu den erwartbaren Kosteneinsparungen von 420.000€ ergibt sich ein Return on Health Investment von ca. 1 zu 5. Für jeden investierten Euro spart ihr 5€ in Bezug auf noch anfallende, mental bedingte Fehlzeitkosten."
Der Geschäftsführer war auf einmal ganz angetan: "Dann sollten Sie uns auf jeden Fall schnellstmöglich ein Angebot zukommen lassen mit Referenzen, so dass wir uns einen genaueren Eindruck von diesen Stress-Resilienz-Assessments machen können"
Was ist der Stress-Resilienz-Index (SRI) und was misst er?
Der Stress-Resilienz-Index ist eine strukturierte Bestandsaufnahme der aktuell gefühlten Belastungs- und Ressourcensituation ergänzt durch HRV-basierte Biofeedbacks. Anders als einfache Stress-Fragebögen betrachtet der SRI verschiedene Dimensionen, die zusammen ein umfassendes Bild ergeben. Er bezieht subjektive Einschätzungen genauso ein wie Körperdaten auf Basis von Pulswellen. Der Stress-Resilienz-Indix (SRI) wurde 2025 von Antoni Aguado in Köln entwickelt mit dem Ziel Coachingprozesse, Resilienzworkshops, Stressmanagementseminare und weitere Maßnahmen rund um die Themen Stress, Resilienz und Performance in Organisationen messbar zu machen.
Theoretisch fundiert in Modellen wie dem Resilienz-Dreieck nach Southwick und Charney (2012) und dem Job-Demands-Resources-Modell aus der Arbeitspsychologie, folgt es einer einfachen Grundidee: Stress und Resilienz sind keine einzelnen Werte, sondern das Gesamtbild aus dem Zusammenspiel von körperlichen, psychischen und kontextuellen Faktoren.
Der SRI setzt sich aus vier Bausteinen zusammen, die zusammen 100 Punkte auf zwei Achsen ergeben. Jedes Stress-Resilienz-Assessment beinhaltet neben den Messungen konkrete Follow-Up Maßnahmen. Denn: Ein großer Teil von Stress-Resilienz ist aktiv beeinflussbar, egal in welcher Branche ihr aktiv seid.
Die vier Bausteine des Stress-Resilienz-Index: Von Stressoren und Ressourcen
Stress-Resilienz-Koordinaten:
x-Achse: Innere Verfassung | HRV-Messung und Stress-Symptom-Indikatoren (50 Punkte)
y-Achse: Äußeres Umfeld | Ressourcen und Stressoren im Arbeit- und Privatumfeld (50 Punkte)
|
25 Punkte HRV-Messungen RSA und HRV Messdaten |
25 Punkte SSI Stress-Symptom-Indikatoren |
25 Punkte R&S Work Ressourcen & Stressoren im Beruf |
25 Punkte R&S Life Ressourcen & Stressoren privat |
Gesamt: 100 Punkte
1. Ressourcen und Stressoren im Beruf (R&S Work)
Der erste Baustein betrachtet dein berufliches Umfeld: Was gibt dir Energie, was zieht sie ab? Dabei geht es um konkrete Faktoren wie Führungsqualität, Teamklima, Arbeitsbelastung, Gestaltungsspielraum oder Sinnerleben.
Die Methode dahinter ist eine Kartensortierung: Verschiedene Aspekte deines Arbeitsalltags werden als Ressource, neutral oder Stressor eingeordnet. Das klingt simpel, führt aber oft zu überraschenden Erkenntnissen. Viele unserer Klienten entdecken dabei erst, dass ein vermeintlich „neutraler“ Faktor – zum Beispiel die Beziehung zum Vorgesetzten – in Wirklichkeit erheblich Energie kostet.
Entscheidend ist hier das Verhältnis: Überwiegen die Ressourcen, puffern sie Belastungen ab. Dominieren die Stressoren, wird selbst eine eigentlich motivierende Aufgabe zum Energiefresser.
2. Ressourcen und Stressoren im Privatleben (R&S Life)
Der zweite Baustein wendet das gleiche Prinzip auf dein privates Umfeld an. Partnerschaft, Familie, Freundeskreis, Wohnsituation, finanzielle Sicherheit, Hobbys – all diese Lebensbereiche können entweder als Energiequelle oder als zusätzliche Belastung wirken.
Warum ist das relevant für berufliche Resilienz? Weil Stress nicht an der Bürotür aufhört. Ein stabiles privates Umfeld kann berufliche Spitzenbelastungen abfedern. Umgekehrt verstärkt privater Stress die berufliche Erschöpfung überproportional – das bestätigt auch die Forschung zum JD-R-Modell.
In der Praxis zeigt sich häufig ein Muster: Führungskräfte investieren so viel Energie in den Beruf, dass die privaten Ressourcen schleichend erodieren. Der R&S-Life-Wert macht diese Erosion sichtbar, bevor sie zum Problem wird.
3. Stress-Symptom Indikatoren (SSI)
Der dritte Baustein erfasst deine wahrgenommene Stabilität in vier Bereichen: körperlich, emotional, kognitiv und im Verhalten. Hier geht es um Fragen wie: Wie gut schlafe ich? Kann ich meine Emotionen regulieren? Wie steht es um meine Konzentration? Halte ich soziale Kontakte aufrecht?
Der SSI ist bewusst subjektiv, denn Selbstwahrnehmung ist ein wichtiger Baustein.
Was den SSI besonders wertvoll macht: Er zeigt frühe Warnsignale. Nachlassende Schlafqualität, kürzere Geduld, häufigeres Grübeln. Diese Merkmale sind meist Vorboten einer Überlastung, die im Alltag leicht übersehen werden. Die strukturierte Erfassung macht sie sichtbar.
Wenn du konkrete anwendbare Tipps benötigst, um deinen Stress zu reduzieren, schau mal in Giorgias Artikel mit 11 wirksamen Tipps für mehr Resilienz im Alltag
4. VNS-Messungen (RSA und HRV)
Der nächste Baustein ist bewusst weniger subjektiv und basiert auf vor Ort live gemessenen HRV-Daten. Im Rahmen des typschischen Assessments führen wir zwei Messungen durch: die respiratorische Sinusarrhythmie (RSA-Messung) und die Herzratenvariabilität (HRV-Messung).
Beide Messungen geben Aufschluss über den Zustand des vegetativen Nervensystems, also darüber, wie gut der Körper zwischen Anspannung und Erholung wechseln kann. In einem eigenen Blogpost zu HRV-Messungen erfahrt ihr von Giorgia mehr darüber, was die Herzratenvariabiliät genau aussagt.
Als Teil des Stress-Resilienz-Assessments wird die RSA über eine einminütige Messung erfasst und die HRV über fünf Minuten gemessen. Beide Werte werden alters- und geschlechtsspezifisch eingeordnet, sodass eine sinnvoll angepasste Bewertung erfolgt.
Warum überhaupt die Körpermessungen als Teil des Assessments? Weil der Körper weniger lügt als der steuerbare Verstand. Während wir kognitiv Belastungen ausblenden oder herunterspielen können, zeigt das vegetative Nervensystem den tatsächlichen Zustand am besten. In meinen Coachings erlebe ich regelmäßig, dass Klienten subjektiv „alles im Griff“ haben, die HRV-Daten aber eine deutlich eingeschränkte Erholungsfähigkeit zeigen. Wichtig ist jedoch, die Messung ein paar mal durchzuführen in regelmäßigen Abständen, da Faktoren wie Schlafqualität, sportliche Leistungen oder auch der Kaffeekonsum in den Stunden vor der Messung einen Einfluss auf die HRV Höhe haben.
Was sagt mein Stress-Resilienz Ergebnis über meinen aktuellen Zustand aus?
Die vier Bausteine ergeben zusammen einen Gesamtscore von maximal 100 Punkten. Dieser wird auf zwei Achsen dargestellt. Die x-Achse summiert die Stress-Symptom-Indikatoren und den aktuellen Zustand des vegetativen Nervensystems zur Achse der "inneren Verfassung". Die Y-Achse als Umfeldachse summiert die Ressourcen und Stressorensituation im beruflichen und außerberuflichen Kontext. Mit beiden Koordinaten landet jede Person im Assessment in einer von vier Zonen:
SRI-Ergebnisdarstellung auf individueller Ebene
| 0 – 40 (stark) erschöpft |
40 – 60 funktionierend |
60 – 80 robust |
80 – 100 aufblühend |
Das Spannende am SRI ist die Kombination: Wo liegen die jeweiligen Stärken, wo die Schwachstellen? Jemand mit hoher HRV (gut) aber vielen beruflichen Stressoren (z.B. neue Führungsposition) steht vor anderen Aufgaben als jemand mit ausgeglichenem Arbeitsumfeld aber eingeschränkter körperlicher Erholung.
Ich empfehle meinen Coaching-Klienten, das Assessment als Ausgangspunkt für gezielte Maßnahmen zu nutzen und es dann nach ein paar Monaten zur Erfolgskontrolle zu wiederholen. So wird Resilienzentwicklung messbar und gut nachvollziehbar.
In unseren Stress-Resilienz-Assessments arbeiten wir mit Kunden genau diesem Vier-Dimensionen-Modell. Denn manchmal braucht es mehr als ein Bauchgefühl, um zu wissen, wo man als Mensch, als Team oder als Organisation gerade wirklich steht und welche Themen Priorität haben sollten...
Auszug aus der persönlichen Auswertung nach dem Assessment
ps: Wie der Geschäftsführer aus dem Eingangsbeispiel auf die aggregierten SRI Ergenisse seiner Teams in der Organisation reagiert hat, erfahrt ihr in einem zukünftigen Blogbeitrag.
Häufige Fragen zum Stress-Resilienz-Index
Wie lange dauert die Ermittlung des SRI?
Die Ermittlung des SRI dauert ca. 45min. Hinzu kommen noch ca. 15min für das Auswertungsgespräch. Somit ergeben sich ca. 60min Gesamtzeit für Erhebung und Auswertungsgespräch.
Die Erhebung besteht aus kurzen Abfragen im SSI Bereich (ca. 10 Minuten), einer Ressourcen und Stressorenzuordnung im R&S Bereich (ca. 20min) und einer HRV-Messung mit Ohr-Clip-Sensor (ca. 10 Minuten). Hinzukommt noch ein kurzer Teil mit Aussagen zu den Top 5 Resilienzfaktoren.
Ist die HRV-Messung wissenschaftlich fundiert?
Ja. Alle vier Bestandteile des Assessments basieren auf anerkannten Methoden in der Stress- und Resilienzforschung. Die Herzratenvariabilität (HRV) ist ein wissenschaftlich anerkannter Biomarker für die Stressregulationsfähigkeit des autonomen Nervensystems. Sie wird weltweit in der Stressforschung eingesetzt.
Für wen ist der Stress-Resilienz-Index geeignet?
Der SRI eignet sich grundsätzlich für alle Menschen, die ihre Resilienz steigern möchten oder besser mit Stress umgehen wollen in ihrem Leben. Auf Grund der Möglichkeit, die Einzel-Assessments in Teams und Organisationen durchzuführen, eignet sich das 3A Stress-Resilienz-Assessment besondern für Fach- und Führungskräfte in Organisationen, die ihre Belastbarkeit, Resilienz und Leistungsfähigkeit besser verstehen und einschätzen möchten. Teamleiter und -leiterin sowie die Geschäftsführung einer Organisation profitieren besonders davon, Stress-Resilienz in ihrem Team und Unternehmen zu verbessern.
Kann der SRI auch für ganze Teams durchgeführt werden?
Ja. Resilienz-Assessments auf Organisationsebene sind ein wichtiger Baustein, um Organisationen modern zu führen und bei Risiken gezielt gegenzusteuern. Erfahre mehr auf der Seite zum SRI in Organisationen.
Deine Stressresilienz jetzt messen lassen
Du möchtest wissen, wie es um deine persönliche Stressresilienz steht? Dafür habe ich den Resilienz-Kurzcheck ins Leben gerufen, den du kostenlos und in unter 5 Minuten absolvieren kannst.
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