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 Question Storming, manchmal auch als Question Burst oder auf deutsch als Fragesturm betitelt, ist eine effektive Methode, um Lösungen für eine zu behandelnde Problemstellung im Team zu generieren.

Um die Effektivität des Ansatzes zu verstehen, müssen wir uns zunächst einmal anschauen, warum Probleme nicht gelöst werden und für welche Art von Problemen sich die Question Storming Methode lohnt.

Es gibt einfach gesagt zwei Gründen warum ein Problem nicht gelöst wird:

 

  1. Es handelt sich um ein unlösbares Problem wie es zum Beispiel manche mathematischen Problemstellungen sind (ein prominentes Beispiel ist hier die Quadratur des Kreises).
  2. Die Problemlösung scheitert innerhalb des Problemlösungsprozesses.
    Dies kann in allen vier Phasen – der Problemphase, der Lösungsphase, der Entscheidungsphase und der Umsetzungsphase – passieren.
    Mit dem Question Storming verhindern wir effektiv, dass ein Problem zu schnell in die Entscheidungs- und Umsetzungsphase gelangt. Es unterstützt uns somit in der Problem- und Lösungsphase. Wie das geht schauen wir uns im Folgenden einmal genauer an.

Zuvor noch ein wichtiger Hinweis:

Manchmal kommt es vor, dass in einem Question Storming viele Fragen zu einem Problem generiert werden, das im Nachhinein betrachtet gar nicht im Fokus stehen sollte. Und zwar deshalb, weil das Problem von der Führungskraft oder der Workshop Leitung:

  • zu eng umschrieben oder
  • zu weit umschrieben wurde.

Ein Beispiel für beide Arten der Formulierungen:

  • „Wie können wir es schaffen unsere Produkte erfolgreich zu vertreiben?“
    (weit formuliert).
  • „Wie können wir es schaffen, Produkt X im Markt Y im Zeitraum Z erfolgreich zu vertreiben“ (eng formuliert)

 

Aus meiner Erfahrung lässt sich die Methode Question Storming für beide Fälle erfolgreich nutzen, es sollte jedoch vorab klar kommuniziert werden, welche Problemstellung im Meeting behandelt werden wird. Ein Question Storming kann bei einer zu engen Problemdefinition schnell zum klassischen Fall von „Toller Input, mieser Output“ werden.

Bei einer zu weiten Problemdefinition besteht die Gefahr, dass die aufkommenden Fragen sehr allgemeingültig werden. Dadurch reduziert sich der Mehrwert für die Empfänger meist deutlich. Durch eine professionelle Workshop Moderation lassen sich jedoch beide Gefahrenpotentiale gut kontrollieren.

 

Question Storming: Toller Input, toller Output

Wir gehen hier davon aus, dass die Führungskraft und das Team genau wissen, wie die Problemstellung lautet. Ist das der Fall, kann Questioning Storming effektiv im Problemlösungsprozess eingesetzt werden. Alles was ihr hierfür beachten müsst, sind fünf einfache Schritte:

 

Schritt 1: Zielsetzung des Question Stormings kommunizieren

Schritt 2: Die Regeln und Schritte des Question Stormings transparent machen

Schritt 3: Die Problemstellung anmoderieren

Schritt 4: Die Fragen in den einzelnen Runden aufnehmen und festhalten

Schritt 5: Die Fragen priorisieren

Schritt 6: Die nächsten Schritte festlegen

 

Schritt 1: Zielsetzung des Question Stormings kommunizieren 

Die Führungsraft oder der Workshop Moderator oder die Workshop Moderatorin starten den Prozess des Question Stormings mit einer kurzen Einleitung zu Sinn und Zweck. Und der liegt bei dieser Methode darin, den Lösungsfindungsprozess optimal zu gestalten. Wir wollen durch das Question Storming vermeiden, mit den immer gleichen Brillen auf das Problem zu schauen und so konventionelle Lösungen auszuarbeiten. Und wir wollen auch vermeiden wichtige Aspekte eines Problems zu vergessen oder zu übersehen. Für beides hilft das Question Storming, indem es die Problemlöser anregt, den Blick auf verschiedenste Dinge zu richten. Was das sein kann schauen wir uns gleich in einem Beispiel an.

 

Schritt 2: Die Regeln und Schritte des Question Stormings transparent machen

Als nächstes führt die Workshop Leitung zunächst die drei einzigen und wichtigen Regeln des Question Storming ein:

 

  1. Es sind nur Fragen erlaubt und keine Antworten, Anregungen oder Empfehlungen.
  2. Die Fragen müssen einen direkten oder indirekten Bezug zur Problemstellung haben.
  3. Die Fragen müssen wertfrei formuliert und aufgenommen werden und es sind keine Reaktionen und Bewertungen auf die Frage erlaubt mit Ausnahmen von weiteren Fragen.

 

Dann präsentiert die Workshop Leitung die fünf einzelnen Schritte des Question Stormings. Potentielle Fragen der Teilnehmenden können an dieser Stelle geklärt werden. Für die Überleitung zu Schritt 3 sollte vorab geklärt sein, ob dieser Schritt durch die Workshop Leitung, die Führungskraft oder einen konkreten „Problem Owner“ übernommen wird.
Je nach Thema, verfügbarer Zeit, Art der Teilnehmer und Präferenzen der Führungskraft und des Teams kann in Schritt 3 ein Grundprozess durchgeführt werden oder eine Spezialform. Ich stelle im Folgenden meine Lieblingsvariante dar, erläutere dabei aber auch den Grundprozess.

 

Schritt 3: Die Problemstellung anmoderieren 

An dieser Stelle kommt die Problemstellung in den Raum.
Die Teilnehmer der Question Storming Runde dürfen an dieser Stelle Verständnisfragen zum Problem stellen, soweit es welche gibt. Die Person, welche die Problemstellung erläutert hat, darf an dieser Stelle alle Fragen vorstellen, die sich sich bereits gestellt hat.
Anschließend beginnt die erste von drei Fragerunden.

 

Schritt 4: Die Fragen in den einzelnen Runden aufnehmen und festhalten

 

Fragerunde 1: Fragen im Kreis – der Grundprozess

Rei um können alle Teilnehmenden des Question Storming Meetings eine Frage formulieren, die sich mit Bezug zum Problem stellen würden. Der Workshop Moderator nimmt alle Fragen auf und schreibt sie auf – am besten auf digitale oder analoge Moderationskarten.

Die erste Fragerunde geht solange, bis keine neuen Fragen mehr aus der Runde kommen.
Führungskräfte und Teams, die es sehr strukturiert mögen, können den Grundprozess des Questions Stormings so gestalten, dass die Art der Fragen durch verschiedene W-Fragen vorskizziert sind. Hier bietet es sich an, die folgenden 11 W-Fragen als Start einer Frage vorzugeben:

 

  1. Was-Frage
  2. Wie-Frage
  3. Wer-Frage
  4. Wo-Frage
  5. Wann-Frage
  6. Womit-Frage
  7. Wohin-Frage
  8. Welche-Frage
  9. Wessen-Frage
  10. Wie viel-Frage
  11. Wenn-Frage

Ohne diese Vorgaben sind auch andere Fragen erlaubt, jedoch bewährt es sich als Moderator einzugreifen, falls die Fragen zu sehr von der ursprünglichen Problemstellung abweichen oder mit einem suggestiven oder wertenden Unterton gestellt werden. Außerdem gilt es als Workshop Leiter einzugreifen, falls negative und abwertende Kommentare als Reaktion auf einzelne Fragen auftreten.

 

Fragerunde 2: Bad Cop und Good Cop Fragen – die Priorisierung

Nach der ersten Runde bittet der Workshop Moderator die Person, die aus der Runde der Teilnehmenden mit Fragen versorgt wurde, sich die drei aktuell wertvollsten Fragen herauszusuchen. Diese werden im Folgenden nacheinander in den Fokus genommen. Hierfür bilden die Teilnehmer des Question Stormings nun zwei Teams. Ein Team bestehend aus „Good Cops“ hat die Aufgabe der Fokusfrage positiv gegenüberzustehen. Das andere Team, bestehend aus „Bad Cops“ hat die Aufgabe die Fokusfrage kritisch zu betrachten.

Als Rückmeldung sind weiterhin nur Fragen erlaubt. Die Teams stellen jeweils abwechselnd ihre Frage und die Runde endet, wenn es zu keiner der drei Fokusfragen weitere Fragen aus einem der beiden Teams gibt.

 

Fragerunde 3: Ausquetschen der Zitrone – die Kernfrage

Nach der zweiten Runde bekommt der „Problemlöser“ die Aufgabe, das Thema auf die eine, wesentlichste Fragen herunter zu brechen, die gerade wichtig ist für das weiter Vorgehen.

Die Frage wird dann für eine abschließende dritte Runde in den Kreis der Question Storming Teilnehmer gegeben. Diese dürfen nun wieder ohne Teamzuordnung ein letztes Mal weitere Fragen beisteuern.

 

Schritt 5: Die Fragen priorisieren

Wer das Question Storming im Grundprozess durchführt sollte in Schritt 5 unbedingt die Vielzahl an Fragen priorisieren lassen. Hierfür gibt es wiederum verschiedene Methoden, abhängig davon, ob die gesammelten Fragen an eine einzelne Person – zum Beispiel die Führungskraft oder ein Team-Mitglied- gerichtet waren oder für das gesamte Team.
Geht es um eine Person, so sollte diese auch die Priorisierung vornehmen und sich auf die maximal fünf (besser drei oder weniger) wichtigsten Fragen fokussieren.

Soll die Priorisierung aus dem Team heraus erfolgen, so besteht eine Möglichkeit darin, eine Punktvergabe durchzuführen. Hierfür kriegen alle am Question Storming beteiligten Personen 10 Punkte, welche sie nach eigener Präferenz im virtuellen oder realen Raum auf die einzelnen Fragen verteilen. Die Fragen werden dann nach der Anzahl ihrer erhaltenen Gesamtpunkte sortiert.
In meiner oben im Text in Schritt 4 vorgestellten Variante des Question Stormings wurde die Priosierung bereits zwischen Fragerunde 1 und 2 sowie 2 und 3 vorgenommen.

 

Schritt 6: Die nächsten Schritte festlegen

Nach den einzelnen Question Storming Durchgängen und der Priorisierung liegen meist einige wertvolle Fragen vor, die wiederum eine entscheidende Frage aufwerfen:

Wie geht es nun weiter?

An dieser Stelle ist die Führungskraft gefragt eigenständig, oder in Abstimmung mit dem Workshop Moderator, den Output in Form einer oder mehrerer priorisierter Fragen in konkrete Aufgabenstellungen mit Zeitbezug zu überführen.

Es folgt eine kurze Zusammenfassung mit Dank an die teilnehmenden Personen, um das Question Storming zu beenden.

 

Case Study:
90min Question Storming bei einem Hidden Champion aus der Automobilzulieferindustrie.

Bei einem Kunden in Süddeutschland sollte über ein Workshop Format das Problem angegangen werden, dass die Umsatzzahlen seit einigen Quartalen rückläufig waren. Als Hauptproblem identifizierte der Kunde die gesunkene Nachfrage nach ihrem Top-Produkt. Der Grund für die sinkende Nachfrage lag im übergeordneten Wandel der Branche weg vom Verbrennungsmotor hin zu mehr Elektromobilität und alternativen Antrieben aus erneuerbaren Energien.

Die Aussage des verantwortlichen Sales-Leiters „Wir brauchen hier schnellstmöglich eine Antwort, um den Trend umzukehren“ deutete eher auf ein „Answer-Storming“ hin, aber dieses Vorgehen hatte bisher keine zufriedenstellenden Ergebnisse eingefahren.
Nun also ein moderierter Question Storming Workshop an einem sonnigen Vormittag.
In nicht einmal einer Stunde hingen bereits 91 W-Fragen an der Wand, unter anderem:

 

  1. Was würden uns unsere Kunden raten?
  2. Wie können wir unsere Kernkompetenzen neu ausrichten?
  3. Wer könnte uns beim Wandel noch unterstützen?
  4. Wo wird unsere Kompetenz gebraucht?
  5. Wann hätten wir die Chance verpasst?
  6. Womit sind wir bereits heute wettbewerbsfähig in der E-Suppy Chain?
  7. Wohin entwickeln sich die Anforderungen unsere Hauptkunden momentan?
  8. Welche Lieferanten bringen uns technologischen nach vorne?
  9. Wessen Problem wollen wir lösen?
  10. Wie viel Potential hat der Markt?
  11. Wenn wir acht Quartale nicht auf die Umsatzentwicklung schauen würde,
    was würden wir dann heute entscheiden?

 

Im Question Storming geht es nicht darum bereits in die technischen oder betriebswirtschaftlichen Details einzutauschen. Daher erläuterte die Führungskraft die Wichtigkeit, dies in den folgenden sechs Wochen zu tun und einen „Deep Dive“ für folgende drei Fragen vorzunehmen:

  1. Wohin entwickeln sich die Anforderungen unserer Hauptkunden?
  2. Welches Problem wollen wir lösen?
  3. Wer könnte uns beim Wandel noch unterstützen?

Für die weitere Behandlung dieser drei aus dem Question Storming gewonnenen Fragen wurde ein cross-funktionales Team aus Unternehmensentwicklung, Vertrieb und Einkauf aufgestellt.
Sechs Wochen später erfolgte eine Präsentation vor dem Vorstand. Aus dieser Präsentation ergaben sich einige weitreichende Entscheidungen und Umstellungen.
Rund zwei Jahre später hat das Unternehmen einen neuen Umsatzrekord verzeichnet und steuert auf ein fantastisches Jahresergebnis zu.

Inwieweit das Question Storming hier den entscheidenden Impuls zum Umdenken erzeugt hat, bleibt wohl eine subjektive Bewertung.
Für mich zählt vielmehr, dass die Methode bei den meisten Kunden sehr positiv aufgenommen und als effektiv und perspektiverweiternd angesehen wird.
Was daraus gemacht wird, liegt dann beim Kunden selbst. Getreu dem Coaching Prinzip:
„Die Verantwortung bleibt den gesamten Prozess über beim Kunden“.

Ich wünsche dir schon mal viel Erfolg und Freude bei deinem nächsten Question Storming!

PS: Hast du Interesse die Wirkung eines professionellen Question Stormings in deinem Team zu erleben? Schreib mir eine E-Mail oder nutze das Kontaktformular für deine Anfrage.

 

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