April 23

Die Sache mit dem Mindset beim Entscheiden

Entscheidungen

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Heute schreibe ich über die aus meiner Sicht wichtigste Kompetenz, wenn es darum geht eine wichtige Entscheidungen treffen zu können. Einige denken vielleicht, dass es sich dabei um das intensive Vorbereiten und Befassen mit Zahlen, Daten, Fakten handelt. Einige denken, dass es darum geht auf das eigene Bauchgefühl zu hören. Aus meiner Sicht verdient der gößte Fokus das Thema Mindset beim Entscheiden.



Zur Klarstellung

Aus meiner Sicht verdient der gößte Fokus das Thema Mindset beim Entscheiden. Versteht mich bitte nicht falsch: Die Fähigkeit Kopf- und Bauchentscheidungen treffen zu können ist fundamental wichtig und verständlicher Weise denken viele, dass es sich hierbei um die wichtigsten Elemente handelt. Je nachdem aus welcher Fachrichtung ihr kommt, werdet ihr eher zum Kopf oder eher zum Bauch tendieren. Eure Fähigkeiten eine wichtige Entscheidungen treffen zu können entsprechend in eine Richtung geschärft sein. Den richtigen Mindset beim Entscheiden brauchen sowohl Kopf als auch Bauchentscheider.

Kurzer Rückblick

Im letzten Artikel zu meiner 4-Bleibt-Hier Entscheidungsmethode ging es um den Choice Overload. Dieser beschreibt das Dilemma wichtige Entscheidungen treffen zu dürfen bei einer sehr großen Anzahl an Alternativen. Da unsere Denkkapazität beschränkt ist, erhöhen wir unsere Entscheidungsqualität, wenn wir die Anzahl an Alternativen übersichtlich halten. Zu viele Entscheidungsoptionen haben häufig die Entscheidungsverweigerung (#4 der 4-Bleibt-Hier Methode) zur Folge. Es geht also im ersten Schritt erstmal einmal darum, das Entscheidungsproblem übersichtlich zu gestalten.

Pre-Entscheidungs Mindset (PrEM): Durchdenkend

Um im nächsten Schritt eine wichtige Entscheidungen treffen zu können, wollen die meisten von uns diese wohl überlegt erarbeiten. Gerade bei größeren Investitionen wie dem Kauf eines Autos, einer Wohnung oder einer größeren Geldanlage kann es durchaus Sinn machen, einige Wochen im durchdenkenden Mindset beim Entscheiden zu bleiben. In dieser Phase haben wir eine erhöhte Aufnahmefähigkeit für:

  • (Neue) Informationen
    Dieses Auto hat die und die Features, bei dieser Wohnung soll in der Nähe ein Großmarkt eröffnen; „Experten“ gehen von einer V-förmigen Erholung der Wirtschaft aus…
  • Das Abwägen von Pro und Cons, Kosten und Nutzen
    Dieses Auto ist spritsparend, dafür ist der Fahrspaß reduziert; bei diesem habe ich einen Elektroantrieb, dafür jedoch hohe Einmalkosten…

Menschen, deren Heimathafen das Durchdenken von Alternativen ist, neigen häufig dazu, zu lange in diesem Mindset beim Entscheiden zu verweilen. Man könnte ja noch die und die Analyse und den und den Vergleich anstellen.

Menschen, die durch die PrEM Phase durchsprinten haben genau das umgekehrte Problem. Bei Ihnen fehlen häufig wichtige Abwägungen, so dass ihr Mindset beim Entscheiden meist auf der schnell verfügbaren System 1 Bewertung beruht.
Das Auto ist ja mal so stylisch und blau, das will ich jetzt haben…

Mindset beim Entscheiden


Post-Entscheidungs Mindset (PEM): Durchziehend

Je nach Reichweite und Zeithorizont der Entscheidung verbringen wir unterschiedlich lange im durchziehenden Mindset beim Entscheiden. In dieser Phase haben wir eine erhöhte Aufnahmefähigkeit für die Kernfragen der Umsetzung von getroffenen Entscheidungen:

  • Wann?
  • Wo?
  • Wie?

Unser Fokus in diesem Mindset liegt auf dem Tun, nicht auf dem Abwägen. Wir wollen die getroffene Entscheidung in die Realität umsetzen. Unwichtige und wichtige Entscheidung treffen wir zunächst einmal nur in unserem Kopf. Passiert ist zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts. Der Abschluss dieser Phase ist entweder eine umgesetzte Entscheidung, ein Sprung zurück oder der Abbruch des Entscheidungsprozesses.

Mindset beim Entscheiden: Typische Fragen

Also, nehmen wir an wir haben die finanziellen Voraussetzungen und einen Führerschein. Nun haben wir uns entschieden ein neues Auto zu kaufen. Die getroffene Entscheidung haben wir emotional (System 1) und kognitiv (System 2) abgewogen gegen Alternativen zum Kauf. Alles easy… bis wir zur Tat schreiten und der Umsetzungswille auf die Probe gestellt wird. 

  • Brauche ich wirklich ein neues Auto?
  • Macht es nicht viel mehr Sinn einen Gebrauchtwagen zu kaufen?
  • Sollte ich das Geld nicht besser zur Seite legen?
  • Was ist, wenn ich mit der neuen Karre zeitnah einen Unfall baue?

Mindset beim Entscheiden: Langsame und schnelle Entscheider

Der Einfachheit halber unterscheiden wir an dieser Stelle zwei Typen von Entscheidern, die es tatsächlich so auch in Reinform gibt. Natürlich liegen die allermeisten von uns irgendwo zwischen diesen beiden Extremen.
Der erste ist von der langsamen Sorte, ich nenne ihn mal den ewig Nachdenkenden. Er denkt jede größere Entscheidung in allen Details und Facetten durch. Und zwar meist sehr lange…
Den zweiten nenne ich Speed Entscheider. Er macht kurzen Prozess und entscheidet. Und zwar ohne viel Nachdenken, dafür aber sehr schnell…

Die Auswirkungen des Mindset beim Entscheiden

Der ein oder andere Speed-Entscheider wird durch diese Fragen von seinem eigenen System 2 oder von Mitmenschen, die es gut mit ihm meinen gerade noch vor einer möglichen Fehlentscheidung bewahrt. Er wechselt zurück ins PREM Mindset und holt das Nachdenken nach. Heißt ja auch NACH-Denken.
Ist der Umsetzungswille so stark, dass auch die eigene natürliche Intervention oder die kritischen Fragen von Freunden nicht funktioniert, dann geht’s ab ins Autohaus - Kaufvertrag unterzeichnen.

Der ewig Nachdenkende hat auf die Fragen, die er sich selbst oder die andere ihm stellen natürlich schon eine Antwort. Er hat alle Hausaufgaben vorab erledigt.
Um seine Entscheidung umzusetzen muss er nur im PEM Mindset bleiben und sich auf die Umsetzung seines Vorhabens konzentrieren.
Bringt ihn eine Frage nochmal verstärkt zum Nachdenken, kann es passieren, dass er zurück in die PREM Phase wechselt.

Vielleicht besser noch ein paar mehr als die acht bisherigen Versicherungsanbieter vergleichen, bevor es weitergeht…

Gut möglich, dass er hier erstmal hängen bleibt, denn eine Analyse kommt selten allein. Das Wann? Wo? Wie? Alles erstmal vergessen.

Worauf es bei der Arbeit im Mindset beim Entscheiden ankommt

Und da wären wir auch schon. Bei dem worauf es so stark ankommt beim ständigen Kreislauf aus Entscheidungsfindung & -formung, Beschluss, Umsetzung und Abschluss.

The Oscar goes to… Der Fähigkeit zum selbstdiendlichen Mindset Wechsel

Ein altes Sprichwort sagt bekanntlich „Erst Denken, dann handeln“.
Um den eigenen Entscheidungsbizeps zu trainieren, ergänzt am besten noch ein Denken: „Erst Denken, dann Handeln, dann Denken“.

Die Fähigkeit genau diese Wechsel vom Denkmodus in den Handlungsmodus an der richtigen Stelle durchzuführen macht den Unterschied.
Und wer denkt, gleichzeitig in beiden Modi agieren zu können, dem würde die Forschung widersprechen. Multi-Tasking ist auch hier nicht. Zumindest dann nicht, wenn die Aktivitäten um die gleichen beschränken Kapazitäten unseres Gehirns konkurrieren. Außerdem ist die eigene Aufmerksamkeit in beiden Modi unterschiedlich gepolt. Wissenschaftlich gibt es den Begriff des cognitive tuning - für diejenigen die es interessiert. Gerade bei komplexen Problemstellungen und Aufgaben ist dieses tuning wichtig, da es mehrfach neu ausgerichtet werden muss. 

Ich hab euch die Kernidee in einer kleinen Tabelle für beide Phasen einmal zusammengefasst.


PrEM

PEM

Ziel

Entscheidungsfindung

Zielerreichung

Aufmerksamkeit

Entscheidungsrelevante Informationen

Informationen zum Wie? Wann? Wo?

Aufnahmefähigkeit

Offener Blick

Tunnelblick

Durchführung

Analyse

Handlung

Bei für euch einfachen Entscheidungen habt ihr vielleicht nur einen Sprung von PrEM zu PEM und seid fertig. Bei anderen Entscheidungen müsst ihr mehrfache Sprünge durchführen, um in die finale PEM Phase zu gelangen.
Wie gut ihr die Sprünge vom Denkmodus zum Handlungsmodus vollziehen könnt, entscheidet über den Erfolg eures Entscheidungszyklus.
Das liest sich leicht, ist aber harte Arbeit an sich selbst, denn die meisten von uns fühlen sich entweder beim Überlegen oder beim Umsetzen deutlich wohler.  Doch es lohnt sich, am eigenen Mindset beim Entscheiden und den bestmöglichen Übergängen vom Nachdenken ins Handeln zu arbeiten. Ich wünsche euch dabei viel Erfolg!

  • Kennt ihr Beispiele für häufige Wechsel zwischen PrE Und PE Mindset beim Entscheiden?
  • Wie viel Zeit nehmt ihr euch in der Regel, um für euch wichtige Entscheidungen treffen zu können?
  • Habt ihr Erfolgsbeispiele und Flops zu euren eigenen Entscheidungen?

Schreibt mir gerne eure Gedanken hierzu in die Kommentare.

Übrigens: Im nächsten Artikel beleuchte ich dann an einem Praxisbeispiel wie die schnelle Fähigkeit zum Wechsel von einem zum anderen Mindset beim Entscheiden konkret aussieht. Als Beispiel nehme ich das Spiel Golf, bei dem zahlreiche Mindset-Wechsel während eines Spiels stattfinden... 

Quellen

Theoretischer Input zum cognitive tuning:
Gollwitzer, P.M. - “Deliberative and Implemental Mind-Sets: Cognitive Tuning Toward Congruous Thoughts and Information”, im Journal of Personality and Social Psychology, Vol. 59 No. 6, 1990

Zur Mindset Theory of Action Phases:
Gollwitzer, P.M. - “Mindset Theory of Action Phases”, in Theories of social psychology, 2012 J


Tags

Mindset, PEM, PrEM


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