März 11

Wie du mit “4-Bleibt-Hier” einfach entscheiden kannst

Entscheidungen

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Wir treffen am Tag mehrere tausend Entscheidungen. Die meisten davon treffen wir ohne nennenswerte kognitive Anstrengung, praktisch automatisch. Doch wie sieht es aus mit Entscheidungen, die wir beeinflussen können? Gibt es eine einfache Methode, um aus nahezu endlosen Alternativen in kurzer Zeit das für uns persönlich beste auswählen zu können? ...

Das Dilema

Das Paradox unserer Zeit ist die Fülle an Alternativen. Auf der einen Seite finde ich es fantastisch, so viele Möglichkeiten in allen Lebensbereichen zu haben und ständig auswählen zu können zwischen verschiedensten Optionen. Ich habe allein mehr als 20 Friseurläden im Radius eines 10-minütigen Spaziergangs. Dummerweise haben gerade alle geschlossen, aber das ist ein anderes Thema. Auf der anderen Seite führt die Berücksichtigung einer Vielzahl an Alternativen zwangsläufig in eine komplexere Entscheidungssituation. Wie soll man da einfach entscheiden können?


Erdbeermarmelade?

Einige von euch kennen vielleicht das mittlerweile rund 20 Jahre alte Experiment von Iyengar und Lepper mit den Marmeladesorten. 
Probanden wurden hier eingeladen, verschiedenen Sorten Marmelade zu probieren und anschließend zu kaufen. Im Experimente variierte die Anzahl angebotener Sorten zwischen 6 und 24. Es gab somit zwei Entscheidungssituationen:

  • Entscheidung 1: Probieren oder nicht Probieren
  • Entscheidung 2: Kaufen oder Nicht kaufen

Die Ergebnisse des Experiments waren letztendlich, dass bei hoher Anzahl an Alternativen die Zahl der Probierwilligen anstieg. Gleichzeitig sank jedoch bei so viel Auswahl die Bereitschaft zu kaufen.
Das Choice Overload Paradox war wieder in aller Munde.


Alles Marmelade?

Die Ergebnisse des Experiments waren spannend und die Studie fand viel Beachtung, hieß es doch vorher in vielen Kreisen: Die Hinzunahme von Entscheidungsalternativen stellt einen Entscheider niemals schlechter. 
Doch wie es sich öfters ergibt bei wissenschaftlichen Erkenntnissen, werden diese zu schnell verallgemeinert und generalisiert. Auf einmal war alles Marmelade. 
Dabei ist natürlich nicht alles Marmelade. Stattdessen gilt auch hier wie bei allen komplexeren Zusammenhängen: Es kommt drauf an…
Die Wissenschaft hat hier leider noch keine abschließend Antwort. Mal stützt eine Studie das Coice Overload Paradox, mal wird es widerlegt. Kurz gesagt: Es könnte so sein, es könnte aber auch anders sein.

Choice Overload im Kopf

Unser Gehirn, egal ob im Einzelfall viel oder wenig IQ drinsteckt, nutzt beim Entscheiden in der Regel zwei verfügbare Systeme. Beide Systeme sind nicht als eigenständige Einheiten zu verstehen, dennoch macht es durchaus Sinn sich diese genauso vorzustellen.

System 1: Das emotionale System

Dieses System des Gehirns ist mühelos in der Lage und non-stop mit der emotionalen Bewertung beschäftigt. Es ist aber von seinem Grundauftrag eher von der Sorte der schnellen Entscheider. Wenn elf kleine Kätzchen sich als Säbelzahntiger entpuppen, geht es nicht darum zu bewerten welches Fell am schönsten aussieht, sondern möglichst schnell und effizient die Flucht zu ergreifen. Eine Entscheidung für zwei aus elf kleinen Kätzchen als nächstes Haustier ist da schon eine deutlich schwierigere Aufgabe. Doch auch hier hat das emotionale System sehr schnell eine Antwort parat - Choice Overload ist kein Thema; einfach entscheiden das Motto. Wäre da nicht noch der kleine, deutlich intelligentere Bruder…

System 2: Das kognitive System

Je mehr Informationen und Daten zur Verfügung stehen, desto mehr lässt sich kognitiv analysieren und vergleichen. Dies bindet jedoch bei einer deutlichen Zunahme von Alternativen viel kognitive Energie und Zeit. Der Choice Overload ist auf kognitiver Ebene vor allem ein Kapazitäts- und Zeitproblem. Wir sind keine effizienten Entscheider bei zu vielen Alternativen. Einfach entscheiden funktioniert nicht, denn wir können gar nicht so schnell analysieren und vergleichen wie uns neue Möglichkeiten und Angebote erreichen. Die KI kann das übrigens schon – hier nehmen die Verarbeitungskapazitäten seit Jahrzehnten zu und System 1 existiert nur im Kopf des KI-Konstrukteuers. Wo der Mensch sich den Kopf drüber zerbricht, kann die KI einfach entscheiden, denn für die Rechenschritte steht mehr Kapazität zur Verfügung.

Meine Antwort auf Choice Overload

Stehe ich vor einer mittleren bis schwierigen Entscheidung, hilft es mir enorm, die Anzahl der Alternativen gering zu halten, um effizienter und einfach entscheiden zu können. Habe ich hingegen Lust auf Erdbeermarmelade zum Frühstück, ist Choice Overload für mich kein Thema, auch wenn im Regel 20 Alternativsorten und vier Marken für Erdbeere stehen.

Mein Vorgehen:
Ich unterscheide in den meisten Fällen zwischen vier Optionen, um einfach entscheiden zu können. Vier bleibt hier, alles darüber hinaus ist mir zu komplex. Die vier Optionen kriegen dafür sogar eine Bezeichnung:

  • Das Eine
  • Das Andere
  • Was anderes
  • Garnichts

Das Eine bezeichnet die erste Antwort, die mir bei einer Entscheidungsfrage bewusst wird, egal wie bescheuert es möglicherweise sein mag. 

Das Andere ist dann die naheliegendste Alternative, falls ich mich gegen das Eine entscheide. Das ist bei mir meist eine Kopfantwort (System 2).

Was anderes ist das, was mir einfällt sobald ich die ersten beiden Optionen ausblende. Das kann eine etwas andere oder deutlich andere Lösung sein.

Garnichts ist die Entscheidung mich nicht zu entscheiden. Das bedeutet, nichts zu tun.

Ein Beispiel:
Um es anschaulich zu machen ein kleines Beispiel von mir. Vor wenigen Wochen stand ich vor der Entscheidung wie ich das Cookie Feld auf meiner Website gestalten möchte. Meine vier Alternativen:

  • Ein Cookie Fenster mit selbstformuliertem Infotext und den vorgegebenen Auswahlfeldern für den User.
  • Ein Cookie Fenster mit vorgefertigtem Infotext und den vorgegebenen Auswahlfeldern für den User.
  • Wie 1 oder 2 mit einer Interaktionsmöglichkeit für den User.
  • Kein Cookie Fenster.

Die Entscheidung

Da ich nur vier Alternativen hatte und das Garnichts tun sofort ausschließen konnte, musste ich lediglich zwischen drei Möglichkeiten auswählen. 
Die Antwort aus System 1 war ganz klar: Variante 3 bitte. Rund 20 Minuten und ein paar Überprüfungen später war auch System 2 einverstanden. Es scheint nichts dagegen zu sprechen, in Cookie Texten ein Angebot zu unterbreiten – ich habe bisher nur noch keins gesehen im Internet. Geben wird es hier sicherlich schon einige Varianten, die deutlich cooler sind als meine einfache Textvariante.

  • Wie sieht eure Entscheigundspraxis aus? Könnt ihr einfach entscheiden oder fällt es euch oftmals schwer?
  • Hört ihr eher auf euer System 1 oder euer System 2?
  • Und was haltet ihr von meiner „Vier Bleibt Hier“ Entscheidungsmethode zur Reduktion eines Entscheidungsproblems auf vier Basisoptionen?
Easy decisions
Auswahl-Dilemma an einem Süßigkeitenstand in der Altstadt von Jerusalem (2019)

Schreibt mir gerne eure Gedanken hierzu in die Kommentare.

Übrigens: Im nächsten Artikel geht es um die aus meiner Sicht entscheidendste Fähigkeit schlechthin, die in fast allen Situationen eine Rolle spielt…

Quellen

Das erwähnte Experiment von Iyengar und Lepper:
Iyengar, S.S., Lepper, M.R. - “When choice is demotivating: Can one desire too much of a good thing?”, im Journal of Personality and Social Psychology, Vol. 79 No. 6, 2000

Ein Überblick über die Forschung zum Choice Overload Paradox:
Schreibehenne, B., Greifeneder, R., Todd, P.M. - “Can there ever be too many options? A meta-analytic review of choice overload, im Journal of Consumer Research, Vol. 37 Oktober 2010


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